Bild: René Könnig
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In den 30ern zu Hause

Er trägt Monokel, Spazierstock und häufig einen Dreiteiler. Seine Haare sind akkurat mit Pomade frisiert, die Lederschuhe blank gewienert und wenn er wissen will, wie spät es ist, schaut er auf seine Taschenuhr. René Könnig kleidet sich nicht nur wie die Menschen in den 30er Jahren, er lebt diese Zeit.

Schon immer hat sich der 44-Jährige für die Alltagskultur, die Musik, die Mode und den Tanz rund um die „Goldenen Zwanziger“ und die Umgangsformen in jener Zeit interessiert. „Von Kindesbeinen an hat mich alles interessiert, was schwarz-weiß war“, so der Sparkassenkaufmann. „Ich liebte die Erzählungen meiner Großeltern und nervte sie gern mit immer ein und demselben Satz: ,Wie war das damals?’.“ Es blieb nicht nur beim Zuhören: Die Taschenuhr seines Urgroßvaters war der Anfang, es folgten erste „Fundstücke“ auf Vintage-Flohmärkten: Schuhe mit Gamaschen, eine Jeans aus den 40ern, Accessoires, wie Spazierstock, Arzttasche, Manschettenknöpfe und mehr. Mit 14 war er stolzer Besitzer eines Grammophons, mit 16 lernte er Charleston, Tango und Rheinländer. Heute lässt er sich seine Kleidung für größtmögliche Authentizität maßschneidern. „Ich bin wie ein Punk, nur auf andere Weise“, sagt er lächelnd über sich.

Eine alte Seele

„Ein Bekannter hat mir mal gesagt, du hast eben eine alte Seele’“, erinnert sich René Könnig. Für ihn ist die Liebe zu den Jazz- und Swingzeiten mehr als nur ein Hobby: Es ist eine Lebenseinstellung geworden. Die Mode begleitet ihn durch seinen gesamten Alltag, und auch zu Hause ist er im Stil der 20er und 30er eingerichtet. „In unserer Wohnung ist alles echt. Unsere gesamte Einrichtung stammt, ebenso wie Teller, Tassen und Gläser, aus der Zeit zwischen 1920 und 1940. Alles jahrelang auf Flohmärkten zusammengesucht. Es soll ja nicht nur aussehen wie. Es soll so sein“, sagt René Könnig, der ein Faible für Spazierstöcke, Arzttaschen und Mode-Accessoires hat. „Im Winter sehe ich aus wie ein Tannenbaum: Schal, Kopfbedeckung, Manschettenknöpfe, Einstecktuch, Taschenuhr, Gamaschen, Handschuhe – eben das gesamte Besteck.“ Seine Lebensgefährtin, die er beim Tanzen kennenlernte, ließ sich von seiner Leidenschaft anstecken. „Wir ticken ähnlich. Ich glaube, anders würde es wohl nicht funktionieren.“

Bild: René Könnig

Herr Könnig singt auch noch

Die Musik spielt natürlich ebenfalls eine große Rolle. Doch es blieb nicht nur beim Hören. Seit rund 17 Jahren ist er entweder mit seinem Grammophon oder mit Klavierbegleitung als Sänger unterwegs. Zum Singen ist „Herr Könnig“, wie er sich selbst nennt, quasi „aus Versehen“ gekommen. „Bei einer Veranstaltung der Grammophon-Lounge in Lüneburg summte ich die Lieder mit, kannte alle Texte. Das fiel auf, und so nahm das Schicksal seinen Lauf.“ Seitdem singt er Schlager, Tanzmusik und Film-Melodien. Und wenn er „Oh, Donna Klara“ trällert, dabei charmant sein Hosenbein lüftet und seine Sockenhalter hervor blitzen, dann hat er nicht nur die Lacher, sondern auch die Herzen der Zuhörer auf seiner Seite. Mit viel Wissen, aber auch mit Witz und Charme bringt er seinen Gästen und Zuhörern „seine Zeit“ nahe. Regelmäßig gibt er Gastspiele im Theater Lüneburg, in Bars und Restaurants, auf Familienfeiern und privaten Events. „Ich bin käuflich“, sagt Herr Könnig und fügt verschmitzt lächelnd hinzu: „Was tut man nicht alles, um für so eine wunderbare Zeit ,Werbung’ zu machen?!“

Sein Material, die alten Schellackplatten für sein Grammophon, findet er auf Flo- und Vintage-Märkten, ebenso wie die Noten und Texte. Das lässt sein Repertoire stetig wachsen. Und so singt Herr Könnig Nostalgie-Melodien der 20er, 30er und 40er Jahre, „Oh, Donna Klara“, „Ein Freund, ein guter Freund“, „Herr Ober, zwei Mokka“, „Das Nachtgespenst“, „Liebe war es nie“ und viele mehr am Sonntag, 16. Oktober, um 13:30 Uhr auf dem Museumsbauernhof Wennerstorf und am Freitag, 4. November, 19:00 Uhr im Café im Glockenhof in Lüneburg.

Natürlich war in den Goldenen Zwanzigern nicht alles golden. Das weiß Herr Könnig bei aller Begeisterung. „Es geht um Nostalgie. Den Alltag vergaß man durch Unterhaltungsmusik und Tanz – das ist ja heute auch noch so, oder?“, so René Könnig und streicht sich durch die akkurat frisierten Haare.

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Julia vom metronom

Julia ist seit mehr als 20 Jahren freiberufliche Journalistin. Sie liebt Ausflüge, gutes Essen und ihre Familie. Mit ihnen unternimmt sie nahezu jedes Wochenende Kurztrips in die Region, über die sie dann gern auch schreibt.

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